Er sagte: Man sollte die Schwulen erschießen

„Man sollte die Schwulen alle wie in Russland auf den Roten Platz treiben und sie mit der Kalaschnikow erschießen.“

Diese Worte sagte mir einer meiner engsten Freunde. Direkt nach dem Gottesdienst. Während wir noch in der Kirche saßen.

Ich war schockiert. Umso mehr, als ich sah, wie einige der anwesenden Jugendlichen zustimmend nickten.

Mein Freund wusste in diesem Moment nicht, wie persönlich, wie tief mich das als ungeouteten Schwulen Mann gerade trifft.

Niemand hat wiedersprochen! Auch ich nicht. Aus Schock, und vielleicht auch Angst?

Dieser Moment steht aber leider auch für etwas Größeres. Für eine Realität, die viele queere Menschen in christlichen Kontexten kennen:

Offener Hass, Gewaltfantasien, menschenverachtende Rhetorik – mitten in der Gemeinde.

Und viel zu oft: kein Widerspruch. Kein Aufstehen. Kein Schutz.

In der konservativ-christlichen Bubble kursiert seit Jahren ein bestimmtes Narrativ:

„Alles wird linker (schlimmer). Die Schwulen übernehmen das Land. Wir dürfen unseren Glauben nicht mehr frei leben.“

Aber lasst uns ehrlich sein: Das ist nicht die Realität.

Die Religionsfreiheit in Deutschland ist ein unantastbares Grundrecht. Niemand hat vor, daran etwas zu ändern.

Was wirklich passiert:

Die queere Community wird zunehmend zur Zielscheibe von Gewalt, Hass und Hetze.

Allein in dieser Woche:

  • In Bad Freienwalde wurde ein friedliches Fest für Vielfalt von vermummten Männern überfallen.
  • In Wernigerode drohte ein Mann mit einem Anschlag auf den CSD. Bei ihm wurde Munition gefunden.
  • In anderen Städten wie Emden, Merseburg oder Regensburg kam es zu queerfeindlichen Angriffen – bei Veranstaltungen, die eigentlich für Sichtbarkeit, Liebe und Gemeinschaft stehen.

Die Liste ließe sich lange fortsetzen.

Fakt ist: Es fühlt sich in Deutschland 2025 nicht sicher an, queer zu sein und öffentlich dazu zu stehen.

Und ich frage mich:

Wie viele dieser Taten werden durch die Worte genährt, die wir in unseren Kirchen hören – und dulden?

Wie oft wird Hass durch vermeintlich „fromme Überzeugungen“ getarnt? Und nein, ich beziehe mich jetzt nicht auf scheinheilige Sprüche wie: „Gott liebt den Sünder aber hasst die Sünde“.

Wie oft wird in konservativen Kreisen geschwiegen, wenn queerfeindliche Gedanken laut ausgesprochen werden?

Ich habe selbst erlebt, wie solche Aussagen in christlichen Räumen normalisiert werden.

Sie prägen das Denken, sie vergiften das Miteinander, sie führen zu Taten.

Und genau deshalb braucht es Widerspruch. Es braucht Christ:innen, die sagen:

„Das sind Menschen, die unsere Liebe brauchen. Unseren Schutz. Unsere Nähe.“

Nicht irgendwann. Jetzt.

Was ich mir wünsche?

  • Null Toleranz für Hass und Gewalt in konservativen Kirchen.
  • Offene Herzen statt Feindbilder.
  • Eine Kirche, die ein echter Save-Space ist – ein „Hafen“ oder eine „Arche“, wie sie sich so gern nennt.
    Für alle, die in dieser Gesellschaft ausgegrenzt, bedroht oder vergessen werden.
    Egal, welcher Herkunft, sexuellen Orientierung oder Hautfarbe.

Wir können Kirche besser machen.

Fangen wir damit an. Jetzt.